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Globales Pensionswesen: Niederlande vorn, Deutschland holt auf

Im Hinblick auf die Qualität der jeweiligen Altersvorsorgesysteme stehen mit den Niederlanden erstmals unsere westlichen Nachbarn an der Spitze eines internationalen Vergleichs. Seit nunmehr bereits zehn Jahren analysiert das australische Beratungsunternehmen Mercer im alljährlich aufgelegten Melbourne Mercer Global Pension Index (MMGPI) die Altersvorsorgesysteme in mittlerweile 34 ausgesuchten Staaten nach verschiedenen Sub-Indices und Merkmalen. Auch die jüngste Global Pension Asset Study 2018 vom Spezialisten Willis Towers Watson sieht die Niederlande im Hinblick auf die betriebliche Altersversorgung weltweit in einem besonderen Punkt an der Spitze.

29 Okt 2018

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Global unterschiedliche Entwicklungen

Rein prozentual betrachtet weist beim MMGPI Index von 2009 bis heute allerdings das deutsche System der Altersvorsorge mit einem Plus von 38,6 % den höchsten Wertzuwachs auf. Das ist durchaus beeindruckend, da andere führende Industrienationen wie die USA in diesem Zeitraum kaum Fortschritte verzeichnen oder wie Großbritannien sogar leicht an Dynamik verloren haben. Lediglich Japans Rentensystem kann ebenfalls einen anhaltenden Zuwachs von über 16 Prozent verzeichnen. Die Niederlande erreichten auf dem Index insgesamt überzeugende 80,3 Punkte (von bis zu 100 theoretisch möglichen Punkten) und verdrängten so den bisherigen Dauerspitzenreiter Dänemark (80,2 Punkte) äußerst knapp.

Niederlande punkten gezielt und deutlich

Neben einer bei unserem Nachbarn bestehenden soliden Grundversorgung dürfte vor allem der hohe Stellenwert der betrieblichen Altersversorgung (bAV) die Niederländer auf den Spitzenplatz gebracht haben. Schließlich verfügen rund 90 Prozent aller niederländischen Beschäftigten über eine bAV. Dazu kommt eine weltweit einzigartig hohe Kapitaldeckungsquote der bestehenden Pensionsverpflichtungen von 193,8 Prozent, die den Niederlanden in einer Studie vom Spezialisten Willis Towers Watson weltweit eine Spitzenposition einbringt. Ein klares Indiz dafür, dass der Schutz der Versorgungsberechtigten von besonders nachhaltiger Relevanz ist und bleibt.

Deutschland führt in wichtiger Kategorie

Während also die Niederlande Spitze sind, bleibt Deutschlands Rentensystem mit insgesamt 66,8 Punkte insgesamt eher (noch) Mittelmaß und teilte sich mit Irland einen 12. Platz. Doch es holt in wichtigen Kategorien spürbar auf. Erstmals belegte Deutschland mit 79,9 Punkten den ersten Platz im wichtigsten Sub-Index „Angemessenheit“, der z. B. gewährte Versorgungsleistungen, steuerliche Anreize und Förderung für die Vorsorge, die konkrete Ausgestaltung der Altersversorgung und die private Sparquote berücksichtigt. Aufholpotenzial sehen die Experten hierzulande vor allem noch in den Kriterien „Integrität“ und „Nachhaltigkeit“ – am besten natürlich, ohne den erreichten Stand in puncto „Angemessenheit“ zu vernachlässigen.

Weltweiter Trend: weniger DB, mehr DC

Eine weiterer Report, Global Pension Asset Study 2018 von Willis Towers Watson, verdeutlicht nun eine Art Paradigmenwechsel. So geht nicht nur in den Niederlanden sondern in wichtigen Vorsorgemärkten weltweit der Trend weg von Defined Benefit (DB)-Modellen hin zu Defined Contribution (DC)-Konstrukten; also weg von der garantierten Leistungszusage und hin zur beitragsorientierten Zusage. Der DC-Anteil in den sieben größten Märkten liegt bereits bei 48,6 Prozent und dominiert beispielsweise bereits in Australien und den USA. Auch in Staaten wie Kanada und Japan, in denen traditionell fast ausschließlich DB-Modelle bevorzugt wurden, sind ein Umdenken und eine erste, dezente Hinwendung zu DC-Modellen zu verzeichnen. In den letzten zehn Jahren sind jedenfalls global die DC-Assets fast doppelt so stark gewachsen wie DB-Produkte (5,6 % zu 3,1 %).

Die Studie vereint Daten aus 22 Märkten mit einem Anlagevermögen von 131 Billionen USD. Größte Vermögensverwalter weltweit sind dabei Pensionsfonds und Publikumsfonds, die jeweils ca. 45 Billionen USD Anlagevermögen aufweisen. Insgesamt betrachtet bleiben also sowohl die globale Vermögensverwaltung wie auch die Entwicklungen der nationalen Renten- und Pensionssysteme in Bewegung. Immer mehr kristallisiert sich dabei heraus, dass Faktoren wie Governance, Transparenz und Benchmarking sich dabei weiter zu (ge-)wichtigen Kriterien entwickeln dürften.

Frank Vogel

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Frank Vogel

Managing Director - KAS BANK N.V. - German Branch
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