1. Home /
  2. Trending Topics /
  3. Mit Transparenz und Digitalisierung...

Mit Transparenz und Digitalisierung gegen Betriebsrenten-Lücke bei Jugend und Mittelstand

Die Bundesregierung plant mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG), das ab dem 1. Januar 2018 in Kraft treten wird, eine Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in Deutschland. Die neuen gesetzlichen Regelungen sind ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung des deutschen Pensionsmarktes. Eine große Lücke besteht vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie bei jüngeren Beschäftigten, und genau diesem Bereich hat sich die Fachtagung der Pensions-Akademie in Frankfurt am Main unter anderem gewidmet.

05 Dez 2017

Teilen auf  

Beide Zielgruppen kamen ausführlich zu Wort und hielten sich bei Ihren Aussagen vor den hochkarätigen Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft nicht zurück.

So waren die Eingangsworte der Podiumsdiskussion, bestehend aus jungen Vertretern der IGBCE,  IG Metall, JUSOS, Jungen Union, Jungen Liberalen und des Jungen Wirtschaftsrats, sehr deutlich: „Wir halten Eurer Industrie einen Spiegel vor, die Meinung, die wir hier gemeinsam vertreten, sollte Euch zum Denken anregen“. „Die Intransparenz und Komplexität in den Systemen der betrieblichen Altersvorsorge führen bei jungen Arbeitnehmern zu einer sehr geringen Motivation, sich mit diesen Themen zu beschäftigen“, so die Jugendvertreter weiter. Überraschend war dann aber doch die Tiefe der Diskussion auf dem Podium, ein Zeugnis wie sehr das Thema bAV im Vorfeld schon durchleuchtet wurde. Fachzeitschriften wurden zitiert, in denen das BRSG angeführt wurde, neue Vertriebschancen zu eröffnen. Ein Jugendvertreter merkte an: „Da klingeln bei mir die Alarmglocken, wenn ich an die Kosten denke“. Auch wurde deutlich: Alles was länger als drei Minuten Erklärungsbedarf hat, ist den Vertretern der Jugend eher suspekt, da es doch Vertrieb und Beratung benötigt. Zusammenfassend für das Podium konnte sich keiner der Zuhörer davor verschließen, dass die Jugend von allen Beteiligten in der bAV mehr mit einbezogen werden sollte, um schon früh die Motivation zu fördern, an diese Systeme zu glauben und auch einzuzahlen. 

Dieser Motivationsschub ist auch beim Mittelstand notwendig. „Hört nicht auf zu bohren und positioniert die bAV bei uns kleinen und mittelgroßen Unternehmen“, so die Vertreter vom Mittelstand. „Aber wir müssen etwas Konkretes zum Greifen haben und können mit virtuellen komplexen Ansätzen nichts anfangen“. Der Mittelstandvertreter hatte entsprechend große Vorbehalte gegen die aus seiner Sicht viel zu komplexe bAV-Welt. Das Auditorium der Fachtagung mochte diese facettenreiche bAV-Welt verstehen. Aber man kann dem Mittelstandsvertreter nur zustimmen, dass die komplexen Zusammenhänge für die Zielgruppe nicht immer greifbar sind. Hinzu kommt, dass bei kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht selten die Kapazitäten und die Zeit fehlen, sich umfassend mit bAV-Themen zu beschäftigen.

Konsens bestand auf der Fachtagung dennoch, dass das BRSG ein wichtiger Schritt ist. Dies wurde auch vom hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer bestätigt. Seiner Ansicht nach haben die Beschäftigten durch den Verzicht auf Garantien nun die Chance auf mehr Rendite. Er schränkte allerdings ein und nahm den Ball vom Mittelstand auf: „Wir sind noch lange nicht am Ziel. Gerade für die Beschäftigten in den kleinen, vielfach nicht tarifgebundenen Unternehmen wird das Betriebsrentenstärkungsgesetz aufgrund der Anknüpfung an Tarifverträge kaum Wirkung entfalten.“ Auch hänge der Erfolg des BRSG Dr. Schäfer zufolge nicht allein von monetären Faktoren ab, sondern müsse unter anderem einfacher gestaltet werden.

Die Teilnehmer der Fachtagung der Pensions-Akademie aus Politik und Wirtschaft waren sich auch bei den Chancen einig: Der Verzicht auf Garantien, wie sie das neue Gesetz vorsieht, bietet die Chancen auf flexiblere Anlagemöglichkeiten und die Aussicht auf höhere Renditen. Allerdings bedeutet das auch, dass zusätzliche Maßnahmen notwendig sind, um das Vertrauen in die bAV zu stärken.  Neben erhöhten Governance-Anforderungen können wesentliche positive Impulse auch aus der Digitalisierung der bAV kommen. Diese Vernetzung der Beteiligten ist eine Grundvoraussetzung für einfachere und verständlichere Lösungen in der bAV sowie für mehr Transparenz. Digitalisierung in der bAV bedeutet großes Potenzial. Denn somit kann die Akzeptanz und Verbreitung klar erhöht werden. Die Herausforderung besteht auch darin, für die entsprechende Zielgruppe die richtige digitale Ansprache zu finden.    

Fakt ist, dass dringender Handlungsbedarf in der Weiterentwicklung der deutschen bAV besteht. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz eröffnet in vielen Bereichen Chancen, die genutzt werden sollten.

 

Frank Vogel

Haben Sie noch Fragen?

Frank Vogel

Managing Director - KAS BANK N.V. - German Branch
+49 (0)69 5050 679 20