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Class Actions: Nicht nur bellen, auch beißen

Sammelklagen sind zu einem Milliardengeschäft geworden. Dies ist kein Wunder, da das Ausmaß der gezahlten Beträge oft enorm ist. Es gehen diejenigen leer aus, die nicht teilnehmen, sollte die Sammelklage erfolgreich sein und der Schadensersatz unter allen Teilnehmern aufgeteilt werden. Der monetäre Ausgleich ist jedoch nicht der einzige Grund an einer Sammelklage teilzunehmen. ESG-Faktoren (environmental social governance) werden aufgrund treuhänderischer Pflichten für institutionelle Anleger und insbesondere Pensionseinrichtungen im Investmentprozess immer wichtiger.

26 Mrz 2018

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Eine Sammelklage ist ein gemeinsames Rechtsverfahren benachteiligter Aktionäre gegenüber einer börsennotierten Gesellschaft. Das Ziel besteht darin, sicherzustellen, dass den Anlegern für unbekannte, aber relevante geschäftliche Handlungen und Geschäfte Entschädigungen gezahlt werden, die die Entscheidungen der Anleger über die Frage, ob sie investieren oder nicht, in unzulässiger Weise beeinflusst haben. Eines der jüngst bekanntesten Beispiele ist die Sammelklage gegen Volkswagen. Nach Bekanntgabe der Abgasmanipulation, fiel der Aktienkurs von Volkswagen drastisch. In der Zwischenzeit hat Volkswagen Milliarden von Dollar reserviert, um Forderungen bezahlen zu können. Die Teilnahme an einer Sammelklage kann sich von daher als ein lukratives Geschäft erweisen.

ESG-Faktoren spielen eine immer wichtigere Rolle

ESG-Faktoren werden in Sammelklagen, insbesondere für europäische institutionelle Anleger, immer wichtiger. Ermutigt von weiteren wirtschaftlich Berechtigten bellen sie nicht nur, sondern beißen auch immer öfter. Sie unternehmen konzertierte Anstrengungen, um ihrer sozial verantwortlichen Investitionspolitik gerecht zu werden, denn Taten sagen mehr als Worte. So reagierte Goldman Sachs anfangs mit einer gewissen Belustigung auf eine Forderung des Rentenanbieters APG nach dem Angebot unklarer Anlageprodukte, bis sich herausstellte, dass APG tatsächlich bereit war, ein Verfahren einzuleiten. Der folgende Vergleich fiel zu Gunsten der "ultimativen wirtschaftlichen Eigentümer", nämlich der Teilnehmer und Rentenempfänger von ABP (größter niederländischer Pensionsfonds mit über 380 Mrd. Anlagevolumen) aus.

Ein zweiter wichtiger ESG-Grund ist eine schlechte Unternehmens-Governance. Im Klartext: Betrugs- und Bilanzskandale, die oft dazu führen, dass ein Investor viel Geld verliert. Eine Sammelklage ist dann nicht nur ein Mittel, um eine monetäre Kompensation für Missmanagement zu erhalten, sondern auch ein wichtiges Instrument, um einem Unternehmen die Vorteile von „Good Governance“ und sozialer Verantwortung aufzuzeigen, um zukünftige Skandale zu verhindern. Sammelklagen können somit positiven Einfluss auf den generellen Governance Standard des Marktes nehmen.

Sammelklagen sind ebenfalls eine treuhänderische Verpflichtung

Die Teilnahme an einer Sammelklage berührt die treuhänderische Verpflichtung institutioneller Anleger, das gemeinsame Vermögen ihrer Kunden als guter Verwalter zu überwachen. Diejenigen Aktionäre, die sich nicht an einer Sammelklage beteiligen, können nach dem Urteil keine weiteren Maßnahmen ergreifen. Eine gerichtliche Entscheidung ist für alle Aktionäre im Register des betreffenden Fonds während des Zeitraums, auf den sich die Sammelklage bezieht, verbindlich.

Pensionskassen und Versicherer müssen daher gegenüber der Dutch Central Bank erklären, warum sie sich entscheiden, nicht an einer Sammelklage teilzunehmen. Keine Vorkenntnisse zu der Sammelklage zu haben, zählt hier nicht als eine ausreichende Entschuldigung.

Sammelklage - eine garantierte Lotterie?

Sollte ein Anleger also eine Sammelklage als Standardübung zum Schutz seiner Anlage annehmen? Das hängt davon ab, wo die Sammelklage stattfindet, da sich die Beteiligungsregeln überall auf der Welt unterscheiden. Als Anleger profitieren Sie vom gemeinsamen Charakter des Verfahrens. Sollte die Sammelklage erfolgreich sein, zahlt die Gruppe einen bestimmten Prozentsatz der Entschädigung an die Partei, die das Verfahren in ihrem Namen durchgeführt hat. Darüber hinaus gilt für die Teilnahme der Grundsatz "kein Gewinn, keine Gebühr", der ein wichtiger Faktor ist, da Sammelklagenverfahren kostspielig sein können, . was für sich genommen ein guter Grund ist, sich zusammenzuschließen. Die Mehrzahl der Sammelklagen endet mit erheblichen Abfindungen und die Teilnahme an einer Sammelklage ist daher mit einer garantierten Lotterie vergleichbar.

Beispiele für Sammelklagen in Bezug auf ESG-Faktoren sehen Sie hier.

Dieser KAS Insights Artikel wurde basierend auf einem Round Table zum Thema ESG / Sammelklagen von Jeannet Bijker (KAS BANK) und Guus Warringa (Grant & Eisenhofer) veröffentlicht.
Christian Schneider

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Christian Schneider

Sales & Relationship Manager Pensions
+49( 0)69 5050 679 24